Erdkunde

Warum spricht man in Brasilien Portugiesisch?

Brasilien ist das fünftgrößte Land der Erde und das einzige in ganz Südamerika, in dem Portugiesisch Amtssprache ist. Ringsherum wird Spanisch gesprochen, von Argentinien über Peru bis Kolumbien. Wer zum ersten Mal davon hört, stutzt kurz. Warum ausgerechnet Portugiesisch, und das so weit weg von Portugal? Die Antwort hat wenig mit Zufall zu tun und viel mit einer Linie, die vor über 500 Jahren quer über eine noch halb leere Weltkarte gezogen wurde.

Kurz erklärt: Brasilien spricht Portugiesisch, weil das Gebiet im Zeitalter der Entdeckungen an Portugal fiel. Ein Vertrag aus dem Jahr 1494 teilte die noch weitgehend unbekannte Welt zwischen Spanien und Portugal auf. Der östliche Teil Südamerikas lag auf der portugiesischen Seite dieser Linie, und mit den Siedlern kam ihre Sprache ins Land.

Eine Linie teilt die Welt: der Vertrag von Tordesillas

1494 setzten sich Spanien und Portugal an einen Tisch und schlossen den Vertrag von Tordesillas. Beide Seemächte stritten darum, wem die neu entdeckten Gebiete jenseits des Atlantiks gehören sollten. Die Lösung war erstaunlich schlicht und zugleich folgenschwer. Man legte eine gedachte Linie fest, die von Pol zu Pol verlief, ungefähr 370 Meilen westlich der Kapverdischen Inseln. Alles, was östlich davon entdeckt wurde, sollte an Portugal gehen, alles westlich davon an Spanien. Der Papst gab seinen Segen, denn die Kirche hatte bei solchen Abmachungen damals großes Gewicht.

Keiner der Beteiligten kannte die genaue Geografie der neuen Kontinente. Dass diese Linie ausgerechnet durch den östlichen Zipfel Südamerikas verlief, war eher Glück als Plan. Genau dieser Zipfel ist heute ein großer Teil Brasiliens. Damit lag das Land bereits auf dem Papier in portugiesischer Hand, lange bevor ein einziger Europäer dort an Land gegangen war.

Cabral landet, und das Portugiesische kommt mit

Im April 1500 erreichte der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral die brasilianische Küste. Ob er rein zufällig dorthin geriet oder den Kurs bewusst nach Westen legte, darüber streiten Historiker bis heute. Sicher ist, dass er das Gebiet sofort für die portugiesische Krone in Besitz nahm. In den Jahrzehnten danach kamen Siedler, Händler und Missionare. Sie bauten Zuckerrohr an, schlugen das wertvolle Brasilholz, das dem Land später seinen Namen gab, und brachten ihre Sprache, ihre Religion und ihre Verwaltung mit.

Für die indigene Bevölkerung war diese Zeit verheerend. Mit der Kolonisierung kamen Zwangsarbeit, eingeschleppte Krankheiten und der Druck, sich der neuen Ordnung zu fügen. Portugiesisch wurde zur Sprache der Verwaltung, des Handels und der Kirche und setzte sich über Generationen gegen die vielen indigenen Sprachen durch.

Wie aus Portugiesisch brasilianisches Portugiesisch wurde

Die Sprache, die heute in Brasilien gesprochen wird, ist nicht einfach das Portugiesisch von Lissabon. Über die Jahrhunderte hat sie sich eigenständig entwickelt. Brasilianisches Portugiesisch klingt offener und melodischer, viele Vokale werden voller ausgesprochen. Auch der Wortschatz unterscheidet sich. Begriffe aus indigenen Sprachen, vor allem aus dem Tupi, sind fest verankert, ebenso Wörter, die über die verschleppten Menschen aus Afrika ins Land kamen. Ortsnamen wie Ipanema zeugen bis heute von diesem Erbe.

Wer europäisches und brasilianisches Portugiesisch nebeneinander hört, merkt den Unterschied schnell, ähnlich wie zwischen britischem und amerikanischem Englisch. Geschriebene Texte sind weitgehend gegenseitig verständlich, in Aussprache und Alltagston liegen jedoch Welten dazwischen.

Fun Facts über Brasilien & Portugiesisch

Der Kontrast zum übrigen Kontinent erklärt sich aus derselben Logik. Fast ganz Südamerika lag auf der spanischen Seite der Linie und wurde von Spanien kolonisiert, weshalb dort heute Spanisch gesprochen wird. Brasilien bildet die große Ausnahme, und der Grund dafür ist ein einziger Vertrag, dessen Folgen den Alltag von mehr als 200 Millionen Menschen bis heute prägen.

Gut zu wissen: Brasilien ist mit Abstand das größte portugiesischsprachige Land der Welt. Etwa vier von fünf Menschen, die Portugiesisch sprechen, leben hier, nicht in Portugal. Die ehemalige Kolonie hat ihr Mutterland sprachlich also längst überflügelt.
War die Sprache Brasiliens schon immer Portugiesisch?
Nein. Vor der Ankunft der Portugiesen wurden Hunderte indigene Sprachen gesprochen. Portugiesisch setzte sich erst im Lauf der Kolonialzeit durch und wurde später zur Amtssprache.
Verstehen sich Brasilianer und Portugiesen problemlos?
Im Großen und Ganzen ja. Schrift und Grammatik ähneln sich stark. Aussprache, Betonung und manche Alltagswörter unterscheiden sich aber deutlich, sodass es anfangs etwas Eingewöhnung braucht.
Warum heißt das Land eigentlich Brasilien?
Der Name geht auf das Brasilholz zurück, ein rot färbendes Tropenholz, das die ersten Kolonisten in großen Mengen ausführten. Aus dem portugiesischen Wort dafür wurde der Name des Landes.

Auf den Punkt

Brasilien spricht Portugiesisch, weil das Gebiet durch den Vertrag von Tordesillas 1494 an Portugal fiel und ab 1500 von portugiesischen Siedlern kolonisiert wurde. Aus deren Sprache entwickelte sich über die Jahrhunderte das brasilianische Portugiesisch. Heute ist Brasilien das mit Abstand größte portugiesischsprachige Land der Welt.

Quellen und weiterführende Links
  • Encyclopaedia Britannica, „Treaty of Tordesillas“, britannica.com
  • Instituto Camões, Verbreitung der portugiesischen Sprache, instituto-camoes.pt

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