Du gehst einkaufen, der Wagen ist ungefähr so voll wie sonst, und trotzdem steht an der Kasse eine höhere Zahl als noch vor ein paar Monaten. Dieses Gefühl hat einen Namen, der uns durch jede Wirtschaftsphase begleitet: Inflation.
Im Kern beschreibt Inflation den anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus über einen längeren Zeitraum. Wichtig ist dabei das Wort allgemein. Wenn nur Tomaten teurer werden, weil die Ernte schlecht ausgefallen ist, dann ist das noch keine Inflation. Erst wenn quer durch fast alle Lebensbereiche mehr bezahlt werden muss, also für Lebensmittel, Miete, Strom, Kleidung und Dienstleistungen, sprechen Fachleute von Inflation. Der Nennwert deines Geldes bleibt davon unberührt, ein Zwanzig-Euro-Schein bleibt zwanzig Euro. Was sich verändert, ist die Menge an Waren, die du dafür bekommst.
Wie Inflation gemessen wird
Damit aus einem Bauchgefühl eine belastbare Zahl wird, beobachten Statistikbehörden einen sogenannten Warenkorb. Das ist eine gedachte Sammlung aus mehreren hundert Waren und Dienstleistungen, die ein typischer Haushalt im Lauf eines Jahres kauft. Jeder Posten wird so gewichtet, wie viel die Menschen im Schnitt dafür ausgeben, Wohnen wiegt also deutlich schwerer als die jährliche Briefmarke. Aus den Preisen dieses Korbs entsteht der Verbraucherpreisindex, und die Inflationsrate ist nichts anderes als die prozentuale Veränderung dieses Index gegenüber dem Vorjahr.
In Deutschland erhebt das Statistische Bundesamt diese Zahlen. Für den gemeinsamen Währungsraum gibt es zusätzlich einen harmonisierten Index, an dem sich die Europäische Zentralbank orientiert.
Warum die Preise steigen
Selten steckt nur ein einziger Grund dahinter. Meist wirken mehrere Kräfte zusammen.
Von Nachfrageinflation spricht man, wenn die Menschen mehr kaufen wollen, als kurzfristig produziert werden kann. Volle Auftragsbücher, gut gefüllte Konten und niedrige Zinsen treffen auf ein begrenztes Angebot, und die Anbieter können höhere Preise durchsetzen. Die Angebotsinflation läuft genau andersherum. Hier verteuert sich die Produktion selbst, etwa weil Energie, Rohstoffe oder Löhne steigen. Unternehmen geben diese Kosten an die Kundschaft weiter, sodass das Preisniveau klettert, obwohl die Nachfrage gar nicht gewachsen ist.
Eine dritte Erklärung setzt bei der Geldmenge an. Wächst die umlaufende Geldmenge dauerhaft schneller als die Menge der produzierten Güter, steht am Ende mehr Geld einer ähnlich großen Warenmenge gegenüber. Auch das treibt die Preise, und deshalb schaut die Geldpolitik genau auf die Geldmenge.
Was Inflation mit deinem Geld macht
Am deutlichsten trifft es alle, die Geld auf dem Konto liegen haben. Liegt der Zins auf deinem Ersparten unter der Inflationsrate, dann wächst dein Guthaben zwar auf dem Papier, real wird es trotzdem weniger wert. Fachleute sprechen von einem negativen Realzins.
Bei Krediten dreht sich das Bild. Wer einen Kredit mit festem Zins abbezahlt, profitiert tendenziell, denn die Schuldsumme bleibt nominal gleich, während Löhne und Preise ringsum steigen. Die reale Last der Rückzahlung sinkt mit der Zeit. Bei den Löhnen kommt es darauf an, ob sie mit den Preisen Schritt halten. Bleiben die Gehälter zurück, sinkt der Reallohn und am Monatsende bleibt weniger übrig. Ziehen Löhne und Preise sich gegenseitig nach oben, entsteht eine Lohn-Preis-Spirale, die eine einmal angefachte Inflation hartnäckig macht.
Wer sein Geld vor diesem schleichenden Wertverlust schützen möchte, denkt oft über Sachwerte oder langfristige Sparformen nach. Wie eine solche Sparform funktioniert, zeigt der Beitrag Was ist ein Bausparer.
- Schon nach einem Jahr kaufst du mit diesen 1.000 Euro nur noch Waren im Wert von rund 980 heutigen Euro.
- Nach zehn Jahren sind es ungefähr 820 heutige Euro.
Die Rolle der Zentralbank
Gegen eine zu hohe Inflation hat vor allem die Europäische Zentralbank ein wirksames Werkzeug in der Hand, den Leitzins. Erhöht sie ihn, werden Kredite teurer und Sparen wird attraktiver. Das bremst Konsum und Investitionen, die Nachfrage kühlt ab und der Preisdruck lässt mit der Zeit nach. Senkt sie den Zins, wirkt das in die andere Richtung und kurbelt die Wirtschaft an. Als Orientierung gilt für den Euroraum eine mittelfristige Teuerung von rund zwei Prozent, weil ein kleines, stabiles Plus als gesünder gilt als fallende Preise.
Womit wir beim Gegenteil wären. Deflation bezeichnet ein breites Sinken der Preise. Was im ersten Moment verlockend klingt, ist in Wahrheit heikel. Wenn alle auf noch günstigere Preise warten, schieben sie Anschaffungen auf, die Nachfrage bricht weg und die Wirtschaft gerät ins Stocken. Eine besonders unangenehme Mischung ist die Stagflation. Dabei steigen die Preise, während die Wirtschaft kaum noch wächst und die Arbeitslosigkeit zunimmt. Diese Kombination galt lange als selten und prägte vor allem die Ölpreiskrisen der 1970er Jahre.
Häufige Fragen
Ist Inflation immer etwas Schlechtes?
Was ist der Unterschied zwischen Inflation und Teuerung?
Schützt Bargeld vor Inflation?
Wie schnell wirkt eine Zinserhöhung gegen Inflation?
Auf den Punkt
Inflation heißt, dass dein Geld über die Zeit an Kaufkraft verliert, gemessen am Preis eines festen Warenkorbs. Hinter steigenden Preisen stecken meist zu viel Nachfrage, höhere Kosten oder eine wachsende Geldmenge. Sparer mit niedrigen Zinsen verlieren real, Kreditnehmer mit festem Zins gewinnen tendenziell, und die Zentralbank steuert über den Leitzins gegen. Wer diese Zusammenhänge kennt, trifft für sein eigenes Geld die ruhigeren Entscheidungen.
- Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex und Inflationsrate
- Europäische Zentralbank: Preisstabilität und geldpolitische Ziele
- Deutsche Bundesbank: Geld und Geldpolitik