Jeder, der schon einmal im Meer geschwommen ist, kennt den Geschmack von Salz auf den Lippen. Es ist ein fundamentaler Unterschied zum Süßwasser in Flüssen und Seen. Doch woher kommen diese gewaltigen Mengen an Salz, wenn doch ständig Süßwasser durch Regen und Flüsse nachgefüllt wird?
Der lange Weg vom Land ins Meer
Die Antwort beginnt weit entfernt von der Küste. Regenwasser ist nicht chemisch rein. Wenn es durch die Atmosphäre fällt, nimmt es Kohlendioxid auf und wird zu einer sehr schwachen Kohlensäure. Wenn dieser leicht saure Regen auf Gestein trifft, löst er über Jahrtausende winzige Mengen an Mineralien heraus. Darunter sind auch Salze.
Flüsse und Bäche fungieren als Transportbänder. Sie tragen diese gelösten Mineralien unaufhörlich in die Ozeane. Dort angekommen, geschieht das Entscheidende: Die Sonne lässt das Wasser an der Oberfläche verdunsten, sodass es wieder als Regen über dem Land niedergehen kann. Das Salz jedoch verdunstet nicht. Es bleibt zurück. Da das Meer keinen „Abfluss“ hat, reichert sich das Salz über Jahrmillionen immer weiter an.
Mehr als nur Geschmack: Der Motor des Klimas
Das Salz ist nicht nur eine Laune der Natur, es ist lebenswichtig für unser Klima. Salzwasser ist schwerer und dichter als Süßwasser. Besonders in den kalten Polargebieten, wenn Wasser gefriert und das Salz im verbleibenden flüssigen Wasser zurücklässt, entsteht extrem kaltes, salziges und damit schweres Wasser.
Dieses schwere Wasser sinkt in die Tiefe und treibt eine globale Umwälzpumpe an: die thermohaline Zirkulation. Diese “Förderbänder” der Ozeane, zu denen auch der Golfstrom gehört, transportieren Wärme um den Globus. Ohne das Salz gäbe es diese Dichteunterschiede nicht, der globale Kreislauf käme ins Stocken und Regionen wie Nordeuropa wären drastisch kälter.
5 Fakten über das Salz im Meer
Das Salz im Ozean ist mehr als nur eine Zutat für den Urlaub. Hier sind fünf Aspekte, die die Dimensionen verdeutlichen.
Würde man das gesamte Wasser der Ozeane verdampfen lassen, bliebe genug Salz zurück, um die gesamte Landoberfläche der Erde mit einer über 150 Meter dicken Schicht zu bedecken. Das entspricht etwa der Höhe des Kölner Doms.
Der Salzgehalt variiert stark. In Regionen mit hoher Verdunstung wie dem Roten Meer ist er viel höher. Dort, wo große Flüsse münden oder viel Eis schmilzt (wie in der Ostsee), ist das Wasser deutlich süßer.
Nicht nur Flüsse bringen Salz. Ein bedeutender Teil stammt aus dem Erdinneren. An unterseeischen Vulkanen und heißen Quellen am Meeresboden treten ständig mineralreiche Lösungen aus der Erdkruste in den Ozean aus.
Das Tote Meer ist eigentlich ein abflussloser See. Weil dort extrem viel Wasser verdunstet, hat es einen Salzgehalt von über 30 % – fast zehnmal so viel wie der offene Ozean. Deshalb kann man dort Zeitung lesend auf dem Wasser treiben.
Salzwasser gefriert nicht bei 0 Grad Celsius, sondern erst bei etwa -1,9 Grad. Das ist entscheidend für das Leben in den Polarregionen, da das Meer viel länger flüssig bleibt als Süßwasserseen.
In a Nutshell: Die globale Sammelstelle
Das Meer ist salzig, weil Flüsse seit Jahrmillionen gelöste Mineralien vom Land hineintragen und Wasser verdunstet, während das Salz zurückbleibt. Dieser Salzgehalt ist entscheidend für globale Meeresströmungen und unser Klima.

